Hauptmenü

Der Grüezi-Treff in den Lenzburger Nachrichten

Bericht von Irene Müller in den Lenzburger Nachrichten

Wo fremde Kulturen ein Gesicht bekommen

Wenn sich ein Dutzend Frauen aus Portugal, Indonesien, Italien, Österreich und der Schweiz gegenseitig begrüssen, ist der Seener Grüezi-Treff eröffnet. Alle 14 Tage werden im Clubhaus des FC Seons kulturelle Brücken geschlagen.

Dienstagmorgen, 18. Dezember, 9 Uhr früh: Im Clubhaus des FC Seons herrscht weihnachtliche Stimmung. Frauen aus allen Ecken der Welt, die es aus den unterschiedlichsten Gründen in den Aargau verschlagen hat, sitzen zusammen am Tisch und singen Weihnachtslieder. Danach gibt es Weihnachtstee und Guetzli - die Sprache untereinander ist für alle Deutsch.

Alime Köseciogullari, eine der sechs ehrenamtlichen Organisatorinnen des Grüezi-Treffs, sieht in diesen Zusammenkünften eine einmalige Integrationschance für Migrantinnen: «Durch den ungezwungenen Austausch verlieren die Frauen ihre Hemmungen mit Einheimischen und die Angst, einmal etwas nicht zu verstehen. Ausserdem kann man das in der Sprachschule Gelernte gleich anwenden», so die Schweizerin mit türkischen Wurzeln.

Auch die Organisatoren lernen immer wieder Neues. Das Jahresprogramm des Grüezi-Treffs besteht aus Themenabenden oder -mörgen, an denen die Mitglieder ihre Kultur vorstellen können, manchmal wird zusammen gelismet oder gekocht, oder einen Ausflug in ein Museum in der Region unternommen. Es gehe ja schliesslich auch darum, die Gegend kennenzulernen, wie Alime Köseciogullari erklärt. So hat die Gruppe vor Kurzem die kleine Erdnussrösterei in Küttigen besucht.

Hürden abbauen

Das Highlight des kommenden Jahres wird der Besuch des Hauses der Religionen in Bern. Die Traditionen von verschiedenen Kulturen und Religionen haben einen besonderen Stellenwert beim Grüezi-Treff. Deswegen werden manchmal auch Festtage von anderen Religionen gefeiert.

An solch speziellen Anlässen dürfen auch Männer teilnehmen. Ansonsten ist der Grüezi-Treff ausschliesslich für Frauen gedacht, die mehrheitlich zuhause sind und deshalb mehr Mühe haben, Anschluss in der neuen Heimat zu finden. Um auch Mütter zur Teilnahme zu ermuntern, bieten die Organisatorinnen zusätzlich einen Kinderhütedienst an. Bis zu 30 Teilnehmerinnen finden sich jeweils an den Grüezi-Treffs zusammen. «An einem Treffen hatten wir sogar 13 verschiedene Nationen an einem Tisch», erinnert sich Alime Köseciogullari. Das Highlight für sie war, als sie vor einigen Jahren mit 23 Frauen vier Tage nach Istanbul gereist sind.

«Wir sind ein super Team», schwärmt die Seenerin. «Die Zusammenarbeit in der Organisation verläuft jeweils sehr harmonisch, was ich sehr schätze.» Ihr persönlich ist es auch wichtig, sich als Muslimin zu präsentieren: «Ich möchte die Angst vor meiner Religion nehmen, die immer wieder mit Terrorismus in Verbindung gebracht wird.» Solche Hürden gibt es bei jeder Kultur und der Grüezi-Treff ist dafür da, diese abzubauen.

 
home search